
Privatjet-Kosten: was ein Charterflug wirklich kostet
Stundensätze je Kategorie, was im Preis enthalten ist und was nicht, und die Steuern, die auf keiner deutschen Vergleichsseite stehen. Mit Quelle und Stand an jeder Zahl.
Stundensätze je Flugzeugkategorie
Die folgende Tabelle ist die einzige uns bekannte deutschsprachig verfügbare Preisübersicht, die nachweislich aktuell gepflegt wird. Die Werte sind vom Anbieter ausdrücklich als Richtwerte bezeichnet und beruhen auf tatsächlich vermittelten Flügen.
| Kategorie | Passagiere | Reichweite | Stundensatz |
|---|---|---|---|
| Turboprop | 4–8 | bis 3.300 km | 2.000 – 5.000 € |
| Very Light Jet | 4–6 | 1.200–2.200 km | 4.000 – 6.300 € |
| Light Jet | 6–8 | 2.000–3.500 km | 4.600 – 7.300 € |
| Super Light Jet | 8–10 | 3.000–4.600 km | 6.200 – 9.700 € |
| Midsize Jet | 7–9 | 4.000–5.500 km | 8.400 – 12.900 € |
| Super Midsize Jet | 8–10 | 5.500–6.500 km | 8.700 – 15.000 € |
| Large Jet | 8–12 | 7.500–10.500 km | 12.800 – 18.100 € |
| Super Large Jet | 12–16 | 9.000–11.000 km | 11.200 – 20.100 € |
| Long Range Jet | 14–19 | bis 14.250 km | 11.000 – 42.100 € |
Quelle: LunaJets, lunajets.com/de/preise, Stand 12.08.2026. Als Richtwerte gekennzeichnet, keine Angebote.
Eine Einschränkung, die selten jemand ausspricht: Die Kategoriegrenzen sind nicht normiert. Dieselbe Cessna Citation XLS führt ein Anbieter als Midsize, ein anderer als Super Light. Ein Preisvergleich über Kategorienamen hinweg ist deshalb unzuverlässig — verglichen werden muss über das konkrete Muster.
Der wichtigste Effekt: kurze Flüge sind pro Stunde am teuersten
Wir haben 240 veröffentlichte Streckenpreise desselben Anbieters ausgewertet und für jede Strecke den rechnerischen Stundensatz gebildet — Gesamtpreis geteilt durch Flugzeit. Das Ergebnis erklärt mehr über Privatjetpreise als jede Kategorietabelle.
| Sektorlänge | Strecken | Stundensatz im Median |
|---|---|---|
| unter 45 Minuten | 17 | 18.900 € |
| 45 bis 75 Minuten | 146 | 14.931 € |
| 75 bis 120 Minuten | 60 | 9.880 € |
| über 120 Minuten | 17 | 5.700 € |
Eigene Berechnung auf Basis von LunaJets, lunajets.com/de/preise, Stand 12.08.2026. Die Streckenpreise sind veröffentlicht, die Auswertung ist unsere.
Ein Sprung unter 45 Minuten kostet pro Stunde rund das Dreifache eines Zweistundenfluges. Der Grund ist nicht Willkür, sondern Kostenstruktur: Positionierung, Crew, Start- und Landegebühren und Handling fallen unabhängig von der Flugzeit an. Der Extremwert in unserer Auswertung — Ibiza nach Valencia, 35 Minuten — entspricht 27.600 Euro pro Stunde. Der günstigste, London nach Marbella über vier Stunden, 3.650 Euro.
Praktische Folge: Wer die Wahl hat, gewinnt beim Preis mehr durch die Wahl des Abflugorts als durch die Wahl der Kategorie.
Was der Stundensatz abdeckt — und was nicht
Es gibt keine Branchenkonvention. Die Anbieter widersprechen sich offen: Der eine nennt einen Festpreis „inklusive Crew, Treibstoff und Landegebühren“, der andere schreibt „zuzüglich Start- und Landegebühren, Crew-Unterbringung und Catering“. Zwei Angebote zu vergleichen, ohne das geklärt zu haben, führt zuverlässig in die Irre.
Regelmässig nicht enthalten
- Positionierungsflüge, wenn das Flugzeug nicht dort steht, wo Sie starten
- Enteisung — ausdrücklich nicht im Preis, Abrechnung zu Selbstkosten nach dem Flug
- Crew-Übernachtung bei mehrtägigen Aufenthalten
- Catering über den Standard hinaus
- Steuern und hoheitliche Abgaben (siehe unten)
- Zuschläge an Spitzentagen — dass es sie gibt, ist belegt; ihre Höhe veröffentlicht niemand
Enteisung: PrivateFly weist aus, dass sie nicht enthalten ist und zu Selbstkosten abgerechnet wird. Bandbreite für eine Grosskabine 3.000 bis über 8.000 Euro — Eurosky Solutions, 03.12.2025.
Steuern und Gebühren — der Teil, den keine deutsche Vergleichsseite nennt
Luftverkehrsteuer Deutschland
Die deutsche Luftverkehrsteuer wird je abfliegendem Passagier erhoben, gestaffelt nach Distanzklasse. Sie wurde zum 1. Juli 2026 gesenkt — jede Seite, die noch 15,53 Euro nennt, ist seitdem falsch.
Frankreich: die Steuer, die Nizza teuer macht
Frankreich hat mit dem Haushaltsgesetz vom 14. Februar 2025 eine eigene Abgabe für Geschäftsflugzeuge eingeführt, in Kraft seit dem 1. März 2025. Sie unterscheidet ausdrücklich zwischen Turboprop und Strahltriebwerk und liegt um ein Vielfaches über der deutschen.
| Abgabe | Betrag | Bemessung |
|---|---|---|
| Deutschland, Nahziele (Klasse I) | 13,03 € | je Passagier, seit 01.07.2026 |
| Deutschland, mittlere Distanz (II) | 33,01 € | je Passagier, seit 01.07.2026 |
| Deutschland, Fernziele (III) | 59,43 € | je Passagier, seit 01.07.2026 |
| Frankreich, Geschäftsjet, europäisch | 420 € | je Passagier, seit 01.03.2025 |
| Frankreich, Geschäftsjet, mittlere Distanz | 1.015 € | je Passagier |
| Frankreich, Geschäftsjet, Fernziele | 2.100 € | je Passagier |
| Frankreich, Turboprop | 210 / 675 / 1.025 € | je Passagier, nach Distanzklasse |
Deutschland: Zoll, Luftverkehrsteuer, Steuersätze nach § 11 Abs. 1 LuftVStG, Senkung zum 01.07.2026. Frankreich: Art. L422-22 und L422-22-1 CIBS, eingeführt durch LOI n° 2025-127 du 14 février 2025, Art. 30 — Légifrance.
Konkret: Acht Passagiere ab Nizza in ein europäisches Ziel bedeuten 3.360 Euro zusätzlich. Gemessen an einem belegten Streckenpreis Nizza–Genf von 11.700 Euro sind das rund 29 Prozent Aufschlag. Wer Côte d'Azur, Paris oder Genf über die französische Seite plant, sollte das vorher wissen.
Eurocontrol-Streckengebühren
Für den Überflug erhebt Eurocontrol eine Gebühr, die sich aus Streckenlänge, Landessatz und der Wurzel aus dem Abfluggewicht errechnet. Weil das Gewicht nur als Wurzel eingeht, zahlt ein zehnmal schwereres Flugzeug nur etwa das Dreifache — die Gebühr ist weniger flugzeugabhängig, als man erwarten würde. Deutlich sind dagegen die Länderunterschiede.
| Land | Satz je Einheit | Anmerkung |
|---|---|---|
| Schweiz | 172,40 € | höchster Satz der Region |
| Niederlande | 136,28 € | |
| Deutschland | 97,79 € | |
| Vereinigtes Königreich | 88,02 € | |
| Frankreich | 79,48 € | |
| Italien | 73,61 € | |
| Spanien | 71,20 € | |
| Österreich | 65,92 € |
Quelle: EUROCONTROL, „Adjusted unit rates March 2026“ — eurocontrol.int.
Mehrwertsteuer und Emissionshandel
In Deutschland kann die Steuer bei grenzüberschreitender Personenbeförderung im Luftverkehr nach § 26 Abs. 3 UStG erlassen werden; als Ausnahmevorschrift wird sie eng ausgelegt, innerdeutsche Charter sind grundsätzlich steuerpflichtig. In der Schweiz hängt die Befreiung nach Art. 23 Abs. 2 Ziff. 8 MWSTG am Status des Betreibers, nicht am einzelnen Flug. Beim EU-Emissionshandel sind Flugzeuge unter 5,7 Tonnen Abfluggewicht ausgenommen; die kostenlose Zuteilung läuft aus, seit 2026 wird vollständig versteigert.
Was das für eine konkrete Anfrage bedeutet
Aus alldem folgt nicht, dass Privatjetpreise undurchschaubar wären — sondern dass ein Stundensatz allein keine Auskunft gibt. Belastbar wird eine Zahl erst mit Datum, Strecke, Personenzahl und der Klärung, was das jeweilige Angebot einschliesst. Genau das ist der Teil, den wir übernehmen: Angebote einholen, auf Vergleichbarkeit prüfen und die Gesamtkosten offenlegen, bevor etwas gebucht wird.
Klare Antworten.
Was kostet ein Privatjet pro Stunde?
Je nach Kategorie zwischen rund 2.000 Euro für einen Turboprop und über 40.000 Euro für einen Langstreckenjet. LunaJets gibt an, dass etwa 85 Prozent der vermittelten Charterflüge zwischen 4.000 und 14.000 Euro pro Stunde kosten (Stand 12.08.2026). Der Stundensatz allein sagt allerdings wenig: Er ist bei kurzen Strecken deutlich höher als bei langen.
Warum ist ein kurzer Flug pro Stunde so viel teurer?
Weil ein grosser Teil der Kosten unabhängig von der Flugzeit anfällt: Positionierung des Flugzeugs, Crew, Start- und Landegebühren, Handling. Wir haben 240 veröffentlichte Streckenpreise ausgewertet: Unter 45 Minuten Flugzeit liegt der rechnerische Stundensatz im Median bei rund 18.900 Euro, über zwei Stunden bei rund 5.700 Euro.
Ist der Stundensatz ein Endpreis?
Das hängt vom Anbieter ab, und die Angaben widersprechen sich. LunaJets nennt einen Festpreis inklusive Crew, Treibstoff und Landegebühren. FlightTime weist ausdrücklich aus: zuzüglich Start- und Landegebühren, Crew-Unterbringung und Catering. Vor jedem Vergleich zweier Angebote muss geklärt sein, was jeweils enthalten ist.
Welche Steuern und Gebühren kommen dazu?
In Deutschland die Luftverkehrsteuer: seit dem 1. Juli 2026 13,03 Euro je Passagier für Nahziele, 33,01 Euro für die mittlere und 59,43 Euro für die Fernklasse. Dazu die Eurocontrol-Streckengebühren, die je Land unterschiedlich sind, und je nach Konstellation Mehrwertsteuer und EU-Emissionshandel.
Was kostet ein Abflug aus Frankreich zusätzlich?
Frankreich erhebt seit dem 1. März 2025 eine eigene Passagiersteuer für Geschäftsflugzeuge: 420 Euro je Passagier für europäische Ziele, 1.015 Euro für die mittlere und 2.100 Euro für die Fernklasse; bei Turboprops 210, 675 und 1.025 Euro. Bei acht Passagieren ab Nizza in ein europäisches Ziel sind das 3.360 Euro zusätzlich.
Sind Enteisungskosten enthalten?
Nein. PrivateFly weist ausdrücklich aus, dass Enteisung nicht im Charterpreis enthalten ist und nach dem Flug zu Selbstkosten abgerechnet wird. Für eine Grosskabine werden 3.000 bis über 8.000 Euro genannt (Eurosky Solutions, 03.12.2025) — im Winter ein spürbarer Posten.
Warum nennen andere Seiten viel niedrigere Zahlen?
Weil viele Tabellen alt sind. Die Preistabelle eines bekannten deutschen Anbieters ist gegenüber dem Internet-Archive-Snapshot vom 3. August 2020 zeichengenau identisch. Zum Vergleich: Jet-Card-Stundensätze liegen laut Private Jet Card Comparisons 29,0 Prozent über dem Niveau von Ende 2019.
Wie kommt man an einen belastbaren Preis?
Nur über eine konkrete Anfrage mit Datum, Strecke und Personenzahl. Alles andere ist eine Spanne. Wir holen die Angebote ein, prüfen, was jeweils enthalten ist, und legen die Gesamtkosten offen, bevor etwas gebucht wird.
Konkrete Strecke, konkreter Preis.
Erreichbar rund um die Uhr — an 365 Tagen im Jahr.